Von Anonym (Name des Autors liegt dem Unternehmen vor)

Sieben Frauen und sieben Männer treffen sich an einem Samstagabend in Frankfurt beim Speeddating. Jeder Teilnehmer hat damit sieben Dates in einer Stunde.

Man trifft sich immer zwei Mal im Leben

SpeedDating

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„Bist du eine gute Liebhaberin?“, fragt mich ein junger Südländer. So etwas habe ich beim Speeddating nicht erwartet. Ich runzle meine Stirn. „Bist du denn ein guter Liebhaber?“, frage ich einfach zurück. Der 26-Jährige schmunzelt und sagt „Ja“. Das sei für ihn sehr wichtig. Ich trinke erst mal von meinem Prosecco und bestelle ein Glas Wasser beim Kellner, der gerade am Tisch vorbei läuft. Mein Gesprächspartner redet weiter. Die sieben Minuten kommen mir wie eine Ewigkeit vor. Doch dann klingelt es. Jeder Mann geht einen Platz im Uhrzeigersinn weiter zur nächsten Dame. Wir Frauen dürfen die ganze Zeit sitzen bleiben. Während ich auf die kommenden Kandidaten schiele stelle ich fest, dass ich einen von ihnen schon vor drei Wochen beim letzten Speeddating kennen gelernt habe. Meine Kontaktdaten bekam er damals aber nicht. Mir ist es ein wenig unangenehm, aber da muss ich durch.

„Ich kann nicht Nein-Sagen“

Jetzt stellt sich Thomas vor – ein recht gutaussehender Mann mit Brille. Er trägt ein blaues Hemd. Zunächst schreibt er sich meinen Nickname, Yvonnexx, auf. Am Anfang hat uns der sogenannte Dating-Angel, die Promoterin des Veranstalters, ein Formular für Notizen gegeben. Das Feld „Ja oder Nein“ erleichtert allen Teilnehmern die spätere Auswahl. Thomas erzählt mir, dass er aus Frankfurt kommt. Er spielt gerne Handball und mag die Natur. Ich frage ihn nach seinen Eigenschaften. „Ich bin absolut zuverlässig, aber ich kann nicht Nein-Sagen“, meint der 36-Jährige. Thomas ist mir sympathisch. Ich erzähle ihm ein wenig über meine Hobbys, Reisen und Tauchen. Es klingelt schon wieder. Nachdem ich mir noch ein paar Stichworte notiert habe, kreuze ich „Ja“ auf meinem Zettel an. Was ich schreibe kann er nicht sehen, weil ich den geknickten Zettel nur leicht aufklappe. So tun es alle Teilnehmer.

„Keiner soll einem hinterherlaufen“

Nun erscheint ein Mann mit braunen Haaren. Leichte Geheimratsecken hat er. Bevor er sich mit mir unterhält, macht er sich noch ein paar Notizen über die vorhergehende Teilnehmerin. Währenddessen schaue ich mich in der A & O Bar um. Der Kontrast von dunkelbraunen Tischen und beigen Lederbänken fällt besonders auf. Alle Einrichtungsgegenstände haben klare Linien, keinen Schnick-Schnack. Von meinem Platz aus kann ich nicht alle Teilnehmer richtig sehen, weil manche mit dem Rücken zu mir sitzen. Doch auf einmal sticht mir ein junger Mann ins Auge, der ein paar Tische weiter sitzt. „Der macht hier doch nicht mit, oder?“ frage ich mich in Gedanken. Seine Ausstrahlung ist der Wahnsinn. Er hebt sich von allen, die ich bisher gesehen habe, total ab. Dieser Mann hat das gewisse Etwas. Aber bis er vor mir sitzt, wird es noch ein bisschen dauern. Der Dunkelhaarige legt seinen Stift auf den Tisch und gibt mir die Hand. Sein Name ist Markus, ein Banker. Zunächst unterhalten wir uns über Sternzeichen. Er ist Fisch. „Das sind doch diejenigen, die einfach wegschwimmen, wenn ihnen etwas nicht passt“, werfe ich mit einem Lächeln ein. Die Chemie stimmt zwischen uns, glaube ich. Er lacht. Markus redet dann nur noch einmal und das die ganze Zeit durchgängig. Ich lasse ihn reden und stelle zwischendrin Fragen. Er erzählt mir, wie eine Beziehung aussehen soll. Beide sollen zum Beispiel auf einer Augenhöhe sein und keiner soll einem hinterherlaufen. Irgendwie ist er zu sehr von sich selbst überzeugt. Wie alt er ist, habe ich nicht mehr erfragen können. Die Alterspanne liegt bei diesem Treffen zwischen 26 und 40. Markus ist eher Ende 30. Ich kreuze weder ein „Ja“ noch ein „Nein“ an.

Das Wiedersehen

„Wir kennen uns schon“, sagt Sven, den ich schon beim letzten Speeddating getroffen habe. Ich nicke und frage ihn, wie ihm die letzte Veranstaltung gefallen hat. Er bindet mir sofort auf die Nase, dass ich ihn damals nicht bestätigte. Er mich schon. Das wusste ich nicht. Denn nur, wenn beide Teilnehmer zugestimmt haben, werden die Kontaktdaten auf der Homepage für beide freigegeben. Sonst erfährt man nichts. Peinlichkeiten und Rückfragen von Interessenten, die man nicht mehr treffen möchte, bleiben somit erspart. Es sei denn, man trifft sie nochmal beim nächsten Speeddating. Auf jeden Fall war Sven aufgrund meines „Neins“ nicht gut auf mich zu sprechen. „Keine Frau, für die ich mich interessierte, wollte mich näher kennen lernen“, sagt er. Sven gießt sich aus seiner Wasserflasche die letzten Tropfen ins Glas. Durch die 14 Teilnehmer ist der Geräuschpegel sehr hoch in der Bar. Deshalb reden alle noch ein bisschen lauter, um sich akustisch besser zu verstehen. Ich kann Sven nicht gut hören und frage ihn mehrmals, was er gesagt hat. Der Dating-Angel klingelt wieder. Ein junger Mann mit kurzen Löckchen setzt sich an meinen Tisch und erzählt mir von seiner Katze. Ich denke, dass er ein gutmütiger Mensch ist. Vielleicht ist er schon zu lieb. Ein anderer Mann redet als hätte er alles einstudiert, was er sagt.

„Sympathie auf den zweiten Blick“

Dirk erscheint vor mir. Noch ein Teilnehmer von meinem ersten Speeddating. Ich hatte ihn nicht bestätigt, weil ich andere Teilnehmer interessanter fand. Er wollte mich aber wiedersehen, sagt er. Ich weiß noch einige Details von ihm. Dirk ist Lehrer und kommt aus Hanau. Wir unterhalten uns amüsiert über unser erstes Sieben-Minuten- Date. Da war er sehr aufgeregt, denn es war sein erstes Speeddate. Meins auch. Wir waren die ersten, die aufeinander trafen. Er erzählt mir, dass ich eher sachlich beim ersten Date war. Die Chemie stimmt zwischen uns. Zum Schluss lerne ich noch Daniel kennen, den jungen Mann mit dem gewissen Etwas. Er hat feine Gesichtszüge, blaue Augen und dunkelblonde Haare. Ich erfahre von ihm, dass er in Frankfurt Jura studiert. Von allen gefällt er mir am besten. Die sieben Minuten vergehen wie im Flug, so dass das Speeddating schon zu Ende ist. Der Dating-Angel weist darauf hin, dass alle Teilnehmer innerhalb von 48 Stunden die Auswertung auf der Homepage durchführen müssen. Die Kontaktdaten werden bei Übereinstimmungen dort freigegeben. Ich habe gleich am nächsten Morgen drei Teilnehmer bestätigt. Zwei davon wollen mich auch näher kennen lernen. Es sind Dirk und Daniel. Ich werde mich in den nächsten Tagen mit ihnen treffen.

Laut dem Veranstalter SpeedDating GmbH sind die Aussichten auf eine Partnerschaft gut. Im ersten Halbjahr 2008 haben drei Paare geheiratet. In dieser Zeit nahmen in der gesamten Bundesrepublik 2854 Singles teil. Aus so manchem Date wurde eine gute Freundschaft. Wo jeder Einzelne jedoch die große Liebe findet, steht in den Sternen.