Neulich lag ich in der Wanne, hatte das Radio an und dann hör’ ich diesen Pfarrer sagen: „Ich möchte Ihnen Lust machen …“.

Waaaas, ein Pfarrer möchte mir Lust machen? Okay, zugegeben: er war Pfarrer und nicht Priester, d.h. er war evangelisch und dann ist das mit der Lust erlaubt. Also, warum sollte er dann nicht auch Lust machen dürfen!?!

„Ich möchte Ihnen Lust machen auf einen Garten.“

Rebecca Schmidt

Rebecca Schmidt

Bei aller Liebe, aber an dieser Stelle dachte ich, ich hätte Badeschaum im Ohr. Ich soll Bock auf `nen eigenen Garten bekommen. Ja, und was mach’ ich, wenn ich im 9. Stock eines Hochhauses wohne, noch nicht mal `nen Balkon habe und alle Schrebergärten im Umkreis von 20 Kilometern vergeben sind? Wo soll ich denn dann hin mit dieser Lust, meine Seele zwischen Tomatenstauden und mannshohen Sonnenblum-Rabatten baumeln zu lassen?

Erst Hunger machen und dann nichts zu essen anbieten, das kann ich leiden! Da kann ich auch ebenso gut in die Stadt gehen und mir all die verliebten Pärchen anschauen. Wie sie Hand in Hand durch die Straßen schlendern, sich küssen und tief in Augen blicken. Wie sie von seinem Eis nascht und er ihre Einkaufstüten schleppt.

Na prima, und ich? Ich schleppe mir den Wolf an meinem Single-Wocheneinkauf. Mein letzter Hand in Hand-Spaziergang scheint `ne Ewigkeit her und über’s Küssen und sich tief in die Augen schauen, will ich gar nicht erst nachdenken.

„Garten und Paradies, das gehört für mich zusammen. Das Paradies am Anfang der Welt war ein Garten“, hör’ ich diesen Pfarrer weitererzählen.

Leider komme ich von der Wanne aus nicht an mein Radio, denn sonst hätte ich es an dieser Stelle sicher ausgemacht. Wie frustrierend ist das denn: Wenn Garten und Paradies zusammengehören, man selbst aber keinen Garten hat, dann hat man folglich auch kein Paradies, oder!?! Keine Chance darauf, sich paradiesisch zu fühlen, wie zum Beispiel all diese verliebten Pärchen.

Ich liege in dieser Wanne und meine Fingerspitzen werden schon langsam schrumplig … was ein Hand in Hand-Gehen in noch weitere Ferne rücken lässt.

Der Theologe spricht weiter und kommt endlich zum Punkt. Es gehe darum, sagt er, Leben zu lernen, das Leben der anderen Wesen und Pflanzen zu respektieren. Und genau das zeige ihm sein Garten.

Inzwischen hab’ ich den Stöpsel gezogen und trockne mich ab. Währenddessen beschließe ich, das eben Gehörte als Bild zu betrachten und nicht als etwas, das mein Single-Dasein noch verschlimmern soll.

Vielleicht braucht man ja überhaupt keinen Garten. Womöglich tut’s auch ein Park und wer weiß: am Ende ist der sogar viel besser. Kürzlich hab’ ich nämlich gelesen, dass Gassi gehen mit dem Hund die Männer förmlich anzieht. Und wo macht man das? Im Park. In dem Artikel stand auch, dass ich mir einen Hund leihen soll, wenn ich keinen eigenen hab’.

Im Tierheim freuen sie sich über jeden, der mit den Tieren rausgeht. Mal schauen, wann dort die nächsten Gassi-Zeiten sind …!