Wie’s wohl wäre, wenn eine Fee vorbei käme, meinem Haustier (ich hab’ ’ne Schildkröte namens Horst) die Fähigkeit zu sprechen gäbe und mir eine Trillerpfeife schenken würde, mit der ich durch Zeit und Raum reisen könnte?

Keine Ahnung, ob das cool wäre! Jedenfalls: so, wie bei Herrn Rossi, einer der Zeichentrick-Kult-Figuren der 70er Jahre, sollte es besser nicht sein!

Rebecca Schmidt

Rebecca Schmidt

Die Zeit-Reise-Trips dieses kleinen, gedrungenen Mannes mit Schnäuzer und sprechendem Hund Gaston sind nämlich jedes Mal derart krude, dass sich Herr Rossi freut, wenn er endlich wieder zu Hause ist – in seinem grauen Alltag als Industriearbeiter.

Bezeichnenderweise heißt die Serie „Herr Rossi sucht das Glück“ und im Intro singt ein Chor „… sucht man es, so fehlt ein Stück!“. Das klingt ganz nach: „Glück darf man nicht suchen, vom Glück wird man gefunden!“. Aber, leichter gesagt als getan, wenn man Wochenende für Wochenende, Feiertag für Feiertag und womöglich auch noch Urlaub für Urlaub allein ist. Mit ‚allein’ meine ich zwar nicht zwangsläufig mutterseelenallein, aber selbst wenn andere um einen herum sind, ohne Partner ist es doch anders – es fehlt eben ein Stück. Und da ist die Versuchung doch ziemlich groß, nach dem Glück zu suchen und sich nicht geruhsam zurückzulehnen und darauf zu hoffen, dass es einen schon irgendwann finden wird.

Aber was wäre eigentlich, wenn man dieses fehlende Stück Glück von jemand anderem suchen ließe? Da kommt mir diese Agentur ‚Wir für Sie!’ in den Sinn. Keine Ahnung, ob es die noch gibt, aber deren oberstes Ziel bestand darin, stellvertretend für andere und gegen ein gewisses Entgelt, Dinge zu erleben. Als Beispiel: ich hätte die Agentur damit beauftragen können, dass sich jemand an meiner Stelle für eine halbe Stunde in die Sonne legt und das Ganze für mich genießt. Dafür hat man dann fünf Euro bezahlt, es gibt ein Foto (zum Beispiel vom Sonnenbrand, mit dem man zu kämpfen gehabt hätte, wäre man wie der ‚Wir für Sie’-Mitarbeiter ohne Sonnenschutz rausgegangen) und ein Erlebnisbericht ist da natürlich auch noch mit dabei.

Wenn so jemand nun für mich auf die Suche nach dem Glück ginge, das mir fehlt, dann würde er es zwar sicher nicht finden können (denn am Glück steht ja kein Name dran), trotzdem wäre das Glück aber vielleicht für einen Moment lang abgelenkt von der ganzen Suchaktion. Könnte sein, dass es dadurch leichtsinnig werden würde, seine Deckung flöten ginge und … schwupps stünde es womöglich einfach vor mir.

Ist das zu surreal, ähnlich wie zu Beginn die Nummer mit der Fee und der Trillerpfeife? Mag sein, aber der Surrealismus entstand ja unter anderem auch deshalb, um unsere Erfahrungen, die häufig genug durch Logik bestimmt und begrenzt werden, durch das Phantastische und Absurde zu erweitern.

Vielleicht müssen wir einfach vielmehr rumspinnen und bekloppte Dinge tun, um das fehlende Stück Glück zu finden – oder: um von ihm gefunden zu werden. Aber vielleicht geschieht das ja auch nur dann, wenn man wirklich sagt, was man will: „Andere können alles haben, können sich an Feinstem laben und von eben diesen Gaben, möcht’ Herr Rossi auch was haben!“.