Der Mensch wird geleitet von seinen fünf Sinnen (man munkelt, manch Glücklicher verfüge auch über einen sechsten), eine heute wissenschaftlich als überholt geltende, aber jahrtausend alte Lehre, unterscheidet die vier Temperament-Typen der Spezies Mensch und dann gibt es da noch die fünf Triebe. Aggressionstrieb, Nahrungstrieb, Sicherheitstrieb, Bindungstrieb, Sexualtrieb.

Klar, dass jetzt sicher wieder viele denken: nun schreibt sie was über die letzten beiden Punkte. Nein, nein! Es ist der Sicherheitstrieb, um den es jetzt geht – denn der hängt mit dem Trieb sich zu binden oder Sex haben zu wollen ganz eng zusammen.

Rebecca Schmidt

Rebecca Schmidt

Den Sicherheitstrieb könnte man auch den Maus-Trieb nennen, denn ähnlich wie bei der Sendung mit der Maus veranlasst er uns zu fragen: „Was ist das?“ oder „Wie funktioniert das?“.

Eine Frage, die vehement seit jenem Zeitpunkt gestellt wird, da die Frau die Bühne der Welt betreten hat. „Häää?“, „Schwierig!“, „Versteh’ ich nicht!“ – hallt es seither auf Erden aus jedem Winkel. Wer da klagt? Na, die Männer.

Mein Ex-Freund zum Beispiel – er pflegte zu sagen: „Du machst Dir über Eier Gedanken, bei denen erst noch die Hühner geboren werden müssen, die diese Eier legen!“. Ein anderer fand: „Du bist ganz schön taff – viele Männer haben bestimmt Angst vor dir!“. Und wie oft hab’ ich schon gehört: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du ziemlich sensibel bist!“.

Drei völlig verschiedenen Aussagen über ein und dieselbe Frau. Beim diesem Stichwort fällt mir der Aufklärungsfilm „Deine Frau, das unbekannte Wesen“ von Oswald Kolle ein. Im Vorspann des Films sitzt der damals 41-jährige Kolle (wir schreiben das Jahr 1969 – ich bin also noch gar nicht existent) vor irgendwelchen weißen Spießervorhängen mit Spitze (die bei uns zu Hause ‚Store’ genannt wurden) und meint: „Mein Film soll Männern helfen, ihre Frauen besser zu verstehen – den Frauen aber einen Weg weisen, zu neuer sexueller Partnerschaft, zu Gleichberechtigung und Liebe“. Wow, das ist ja wie beim Überraschungsei: gleich drei Dinge auf einmal. Fragt sich nur, was bei dem Ganzen die Schokolade ist und was das Spielzeug. Spannend wird’s ja bestimmt in jedem Fall, wenn Mann versucht, Frau zu verstehen.

Aber ist das überhaupt möglich oder besser gefragt: ist das überhaupt erstrebenswert? Ist nicht die Aussage eines jeden zweiten Hollywood-Streifens: Frauen sind für Männer wie das berühmte Buch mit den sieben Siegeln? Ja, und wenn schon! Abgesehen, dass Frauen doch auch oft genug nicht verstehen, wie es Männer zum Beispiel fertig bringen, den Kennenlern-Tag zu vergessen oder völlig unbeeindruckt von einer neuen Frisur zu sein („Was, Du warst beim Frisör? Das hätte ich jetzt so gar nicht mitbekommen. Sieht aber gut aus!“) – womöglich ist es sogar besser, das Wesen der Frau nicht wirklich zu kennen oder gar zu verstehen. Denn was passiert laut Bibel, wenn die sieben Siegel dieses besagten Buches geöffnet werden? Naaa? Genau! Dann bricht die Apokalypse über die Menschheit herein! Und wer wird schon wollen, dass vier Typen auf Pferden (die sogenannten apokalyptischen Reiter) den Untergang der Welt ankündigen? Doch sicher niemand!

Gehen wir nochmal kurz zurück nach Hollywood. Der Klassiker in Sachen ‚Mann trifft auf das unbekannte Wesen Frau’ ist ja wohl „Harry und Sally“. Wenn er ihr nach etlichen Irrungen und Wirrungen endlich gesteht: „Ich liebe Dich dafür, dass Dir kalt ist, wenn draußen 25 Grad sind. Ich liebe Dich dafür, dass Du anderthalb Stunden brauchst, um ein Sandwich zu bestellen“ – dann wird doch glasklar: Männer steh’n auf Widersprüche! Die wollen’s gar nicht einfach, die brauchen’s kompliziert! Oder wie ist es sonst zu erklären, dass bisher noch jeder Mann, dem ich begegnet bin, sich strikt geweigert hat, das Spielzeug eines Überraschungseis per Anleitung zusammenzubauen?! Ganz zu schweigen von den Urlauben, in denen wir endlose Stunden mit Suchen vergeudet haben, weil er zu stolz war, nach dem Weg zu fragen.

Ich bin mir ziemlich sicher: wären Frauen weniger kompliziert – Männer wäre es auch nicht recht. Sie sind eben triebgesteuert und werden vom Sicherheitstrieb regelrecht dazu gezwungen sich bei Frauen ständig zu fragen: „Was ist das?“, „Wie funktioniert das?“. Und während sie noch nach einer Antwort suchen, kommen die anderen Triebe um die Ecke …!