Also, ich muss ja schon zugeben: bisweilen liebe ich Studien. Oft trau’ ich diesen – wie auch immer gearteten – Erhebungen zwar keinen Meter über den Weg, aber wenn die Ergebnisse so abgefahren und mitunter derart skurril-bescheuert sind, wie jene, die ich auf Frauenzimmer.de unter der Überschrift „Schwangerschaft, Sex, Diät: Welches Alter ist das beste?“  gefunden hab’, tja dann …!

Da heißt es beispielsweise, Frauen fänden sich selbst erst mit 60 wirklich attraktiv, wären allerdings nur bis 48 am glücklichsten (schuld ist daran angeblich der berühmte Blick zurück) und am besten aussehen würden sie mit 31. In diesem Alter wüssten Frauen nämlich, „[…] welcher Kleidungsstil zu ihnen passt und wie sie das Beste aus sich herausholen können“.

Rebecca Schmidt
Rebecca Schmidt

Aha! Zwischen 32 und 48 laufe ich als Frau also rum wie der letzte Henker, weil mich über Nacht der gute Geschmack verlassen hat, ich fühl’ mich dabei aber zumindest glücklich – welch ein Trost. Ab 48 fällt mir dann auf, wie panne meine Ehe ist, dass mich meine Kinder immer weniger brauchen und ich mich über die Jahre selbst verloren hab’ (wie das so schön heißt, wenn Menschen eines gewissen Alters über ihr Leben resümieren). Ja, wie? Und dann muss ich zu allem Überfluss noch zwölf Jahre warten, um mich endlich attraktiv zu finden, wovon ich aber wahrscheinlich gar nix habe, weil meine glücklichsten Jahre ja bereits vorüber sind?

Aber es wird noch besser: heiraten sollten Frauen laut Studienweisheit nämlich am besten mit 30, weil da unter anderem am meisten Kohle für die Hochzeitsfeier vorhanden ist.

Also, da sehe ich doch schon förmlich ganze Dilemma-Geschwader am Horizont aufziehen. Ich kann mir eine Hochzeit mit 30 zwar leisten, weil ich gut bei Kasse bin; komme aber wahrscheinlich gar nicht erst in die Verlegenheit Geld auszugeben, weil sich überhaupt kein Typ findet, der ‚Ja!’ sagt; denn – wir erinnern uns – am besten sieht Frau ja mit 31 aus. Wenn ich also noch ein Jahr warte, stehen die Typen am Traualtar wahrscheinlich Schlange, ich kann mich aber nicht entscheiden, welcher der Richtige ist und fett feiern ist dann auch nicht, weil gut bei Kasse, war ich ja laut Studie ein Jahr vorher (mein Geld habe ich höchstwahrscheinlich in diesen zwölf Monaten für Schönheitsaufmotzaktionen verballert und sehe deshalb mit 31 so gut aus).

Wer jetzt aber glaubt, auf dem Gipfel der Schönheit hätte Frau auch ihren besten Sex, der irrt. Den gibt’s nämlich angeblich erst mit 40.

Moment mal, aber da sind die Damen der Schöpfung doch bereits 10 Jahre verheiratet. Und dann haben die angeblich ihren besten Sex? Mit ihrem eigenen Ehemann oder mit dem einer Anderen? Die Begründung, weshalb’s in diesem Alter so gut im Bett läuft finde ich ganz interessant. Auf Frauenzimmer.de ist dazu zu lesen: „[…] mit 40 hat eine Frau nicht nur genug Erfahrung und weiß, was sie im Bett will. Auch die Hormone spielen da eine Rolle: Ab diesem Alter sinkt der Östrogenspiegel und der Körper produziert mehr Testosteron. Und damit steigt auch die Lust oder besser gesagt: Sie gleicht sich dem männlichen Lustempfinden an.“

Da haben wir’s doch mal wieder: Angleichung lautet das Stichwort (nicht zu verwechseln mit Gleichmacherei oder Uniformität ohne jeden Gegensatz und Widerspruch). Ich glaube ja, zwischen Mann und Frau würde es häufig ein klitzekleines bisschen besser laufen, wenn sich beide in gewissen Bereichen eben ein klitzekleines bisschen ähnlicher wären. Ähnlich soll jetzt aber nicht zwangsläufig heißen, dass beide genau dasselbe wollen müssen. Im Sex zum Beispiel ist es viel besser, wenn man sich ergänzt. Beispiel: wenn beide auf Blümchensex stehen – na gut. Dabei sollten aber wenigstens nicht beide die Blume sein wollen. Da kann ich mir auch ein Still-Leben im Museum anschauen. Ohne Biene wird das nix! Na ja, und wenn die Biene eben weiß, was der Blume so gefällt und die Blume sich denkt: „Hey, da ist ja wieder diese geile Biene, der will ich aber jetzt mal zeigen, was `ne scharfe Blume ist!“ … umso besser.

Statistiken über die altersbedingten Befindlichkeiten der Damenwelt hin oder her, nachvollziehbar oder eher absurd – wie wär’s denn mit dieser ‚Weisheit’ von Mode-Ikone Coco Chanel: „Eine Frau kann mit 19 entzückend, mit 29 hinreißend sein, aber erst mit 39 ist sie absolut unwiderstehlich. Und älter als 39 wird keine Frau, die einmal unwiderstehlich war!“?!