Das Qualitätssiegel ‚Made in Germany’ hat gerade seinen 125. Geburtstag gefeiert und die Deutschen sind stolz wie Bolle. Okay, jetzt will sicher einer wissen: wer ist Bolle? Ich gesteh’: ich weiß es auch nicht wirklich! Wahrscheinlich hießen die Kids früher im Osten so … da gab’s schließlich Sandy, Mandy, Peggy, Ricco, und Ronny – wieso dann nicht auch Bolle?!?

Rebecca Schmidt

Rebecca Schmidt

Also, zumindest mit der Namensgebung made in Germany scheint’s bei uns schon mal nicht immer und überall zum Besten zu stehen. Da stellt sich doch die Frage: wie sieht’s denn aus mit der Liebe – respektive mit dem Sex – made in Germany? Ist die/der so, wie die deutschen Produkte: gut, zuverlässig, solide und innovativ?

‚Gut’ ist natürlich ein dehnbarer Begriff. ‚Gut’ ist `ne zwei in der Schule. ‚Gut’ war auch Jan Ullrich fünfmal hintereinander bei der Tour de France und wird seither als ewiger Zweiter gehandelt (ob gedopt oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt) ‚Gut’ als Antwort auf die Frage danach: „Und wie war’s?“ … „Och jo, gut.“ … „Ganz gut.“ … „Ziemlich gut.“ – Neee, das braucht man nun wirklich nicht!

‚Zuverlässig’ – beim Auto, bei Haushaltsprodukten, in der Liebe und natürlich beim Sex, ein nicht zu unterschätzendes Argument, denn wer will schon, dass mittendrin schlapp gemacht wird?!?

‚Solide’ – wenn das ein anderer Ausdruck sein soll für ‚immer das gleiche’, dann kann ich da gut d’rauf verzichten. Wenn ‚solide’ jedoch bedeutet: gut verarbeitet, formbeständig und belastbar, dann würde ich sagen, das ist bei Männern (na ja, und sicher auch bei Frauen) mindestens genauso wichtig wie bei Spannbettüchern.

Aber jetzt kommt das Interessanteste: der Punkt ‚innovativ’. Wenn es zu innovativ ist – wenn also kein Schwein weiß, womit man’s da überhaupt zu tun hat oder wie man damit umgehen soll – das fällt dann wohl eher in den Bereich: kontraproduktiv. ‚Innovativ’ im Sinne eines schönen Mixes aus Altbewährtem, Neuem und einer ordentlichen Portion Gewagtem; ‚innovativ’ dergestalt, dass man sich denkt: „Boa, das ist so geil, das ist bestimmt einmalig!“ – ja, das ist der Hit.

‚Made in Germany’, das steht ja nicht nur d’rauf auf den Produkten, das muss auch rein in die Köpfe. Und wie könnte das besser gelingen, als mit Werbung?! Elly Heuss-Knapp, die Frau des ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss war da mal `ne echt coole Nummer. Sie erfand nämlich in den 30ern den Werbejingle, revolutionierte mal eben den Werbefilm und ihr Erfolgsrezept gilt auch heute noch: Werbung muss im Kopf herum gehen, das Unterbewusstsein massieren und schließlich unter die Haut kriechen. Und genauso ist es doch auch mit dem Verliebtsein, oder?! Erst geht er/sie einem im Kopf herum. Dann flüstert permanent eine innere Stimme: „Du kannst nicht ohne ihn/sie!“ „Du musst ihn/sie sehen!“ „Du willst ihn/sie – jetzt, sofort!“. Ob das mit dem unter die Haut kriechen dann allerdings was wird, das hängt eben davon ab wie gut, zuverlässig, solide und innovativ etwas war.

Aber ganz egal, ob made in Germany oder made woanders, ob was zum Anziehen, zum Herumfahren, zum Anschauen oder für’s Herz – nie sollte man das tun, was Holger Jung von der Werbeagentur Jung von Matt mal in einem Interview gesagt hat: „Man kauft – mit Geld, was man nicht hat – Dinge, die man nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die man nicht mag“.