Als was soll ich in diesem Jahr an Fastnacht nur gehen? Mohnblume, Politesse, Würstchen – das alles war ich schon und … bin trotzdem immer noch allein. Also, entweder hatten die Typen sich vorher die Ethik-Charta des Bundes Deutscher Karneval durchgelesen, wo’s gleich in Paragraph 1 heißt: „Am Aschermittwoch ist definitiv Schluss“; oder aber, es lag doch eher am Kostüm! Denn so’n Fummel hat ja auch durchaus sowas wie `ne Psychologie bzw. sagt etwas über seinen Träger aus. Und ich schätze mal, da hab’ ich mit meinen Outfits bisher nicht gerade die Knaller gelandet.

Rebecca Schmidt
Rebecca Schmidt

Mohn gilt in der Blumensprache zwar als Symbol für zarte Schönheit und Versuchung, zugleich steht er aber auch für Liebesleid und Vergänglichkeit. Denn an dem einen Tag noch blüht die Mohnblume wunderschön und schon am nächsten verliert sie all ihre Blätter. Tja, und wenn man dann so am Morgen danach versucht, seine Blätter wieder zusammenzusuchen – dabei über das Kostüm von Superman stolpert und merkt: upps, bei dem Typen da in meinem Bett bestand der Großteil seiner Muckies ja aus Schaumstoff … dann ist Karneval ja vielleicht noch nicht ganz vorbei und man versucht’s eben mit `ner anderen Aufmachung.

Zugegeben: als Politesse verkleidet wurde ich ja reichlich angesprochen: „Oh, bitte, bitte keinen Strafzettel! Können wir das nicht irgendwie anders regeln? Sie können mich auch gerne festnehmen – sogar über Nacht, wenn sie wollen!“. Polizeihostessen – wie die Mädels auch genannt werden – gelten als streng und unerbittlich. Wer also in diesem Aufzug auf Romantik hofft und beim jecken Treiben dann auch noch auf `nen beinharten Eishockey-Spieler oder gar den Terminator trifft, der ist kuscheltechnisch absolut schief gewickelt.

Oh Gott, in Zeiten von ‚Shades of Grey’ will ich mir gar nicht ausmalen, was einen erwartet, sollte man sich in `nem Reitkostüm mit Gerte unter die Narren wagen. Wie heißt es im Buch? „Müßig umrundet er mit der Gerte meinen Nabel in immer größeren Kreisen, bis sie schließlich meine Klitoris berührt. Er holt aus und lässt die Gerte auf meine empfindsamste Stelle schnellen. Ich komme augenblicklich und so intensiv, dass mir ein lauter Schrei entfährt. Ich schrecke aus dem Schlaf hoch.“ Neee also, dass mich einer zum Höhepunkt peitschen darf – mag’s nun im Schlaf sein oder im Wachzustand – so verzweifelt bin ich nun doch noch nicht!

Den ‚Richtigen’ an Fastnacht kennenzulernen, dieser Möglichkeit hab’ ich mich vor Jahren aber mal definitiv mit der Entscheidung entzogen, ausgerechnet als Würstchen gehen zu wollen. Da hat man’s auf der Straße beim Umzug schauen zwar muckelig warm, aber wenn’s dann in die Kneipen geht, wird einem der Begriff ‚Siedewürstchen’ mehr als vorstellbar. Außerdem: bei so `nem Würstchen-Kostüm schauen nur das Gesicht, die Arme und die Füße raus. Und in `ner hellbraunen, wattierten Polyester-Pelle, bei der man so `nen beknackten Schnippel auf’m Kopp hat, wird wahrlich kein Mann wirklich schwach.

Aber womöglich liegt der Schlüssel ja auch ganz woanders! Ich hab’ nämlich mal gelesen, Fastnacht sei der kontrollierte Ausbruch aus der Vernunft und Erwachsene könnten in dieser Zeit wieder so unbekümmert sein wie in ihrer Kindheit. Es kommt also vielleicht gar nicht darauf an, welchen Typen ich während der bekloppten Tage über den Weg laufe, sondern vielmehr darauf, aus dieser Zeit ein Stück Unbeschwertheit in den Alltag rüberzuretten.

Wenn wir uns mal anschauen, in welchen Ecken Deutschlands laut Statistik die meisten Singles rumhängen, nämlich in Berlin, Hamburg und Bremen – und dass man dort wahrscheinlich schon mit `ner Pappkrone von Burger King als verkleidet gilt … dann wird einem doch so manches ein bisschen klarer. Mir zum Beispiel, wie ich mich in diesem Jahr verkleiden soll. Ich geh’ einfach als `ne Mischung aus gutgelauntem Riesenbaby in rosa Strampelanzug und übergewichtiger Prinzessin mit Krönchen – sprich: als Ilka Bessin alias Cindy aus Marzahn. Die hat sich mit dieser Figur ja nicht nur selbst er-, sondern sicherlich auch ein stückweit gefunden! Helau!