>„Als mein Haar immer dünner wurde, habe ich es meiner Tochter erzählt!“ – Ja, jaaa, das sind die Informationen, nach denen wir uns förmlich verzehren und deshalb quält uns die Werbung damit auch in schöner Regelmäßigkeit. „Wenn sich Nägel weiß-gelb verfärben, dick und bröcklig werden, ist es häufig …“ – der Moment, in dem ich frage: „Wieso wird mir das erzählt? Ich will das doch gar nicht wissen!“.

Aber so ist sie nun mal, unsere moderne Informationsflut, von der sich hierzulande tagtäglich so gut wie jeder Dritte schier überrollt fühlt. Fernsehen, Radio, Internet, Handy und die große weite Welt der Printmedien – von überall dort ‚beschenkt’ man uns mit Fakten. ‚Schreckliches Wissen – 665 Fakten, die Sie lieber NICHT gewusst hätten’ heißt denn auch das Buch zu unserem Dilemma. Und in dem erfährt man wahrhaft viel Schreckliches.

Eins, zwei, drei, vier … beim munteren Bürotassendurchzähl-Spiel – das wir natürlich jeden Tag inbrünstig in der Mittagspause mit den lieben Kollegen zelebrieren – kommt heraus: auf jeder fünften Tasse sitzen lecker E.-coli-Bakterien. Das sind die Jungs und Mädels, die im menschlichen und tierischen Darm vorkommen und aus diesem Grund auch als Fäkalindikator gelten. Soll heißen: wem die fünfte Tasse gehört, der hat sich entweder nach dem Klogang die Pfoten nicht gewaschen oder aber er/sie praktiziert im Büroalltag Arbeitstechniken, von denen nun wirklich kein Mensch was erfahren will!

Und wer weiß: vielleicht sind ein paar dieser Bürotassen-Ferkel ja auch mit von der Partie, wenn’s darum geht, an einem Kugelschreiber zu ersticken. Denn angeblich ereilt dieses Schicksal immerhin rund 100 Menschen pro Jahr und man fragt sich: war der Kugelschreiber wohl zu sperrig oder hat’s einfach an der nötigen Menge Spucke gemangelt? Im Schnitt produzieren wir im Laufe unseres Lebens zwar so viel Speichel, dass man damit ein ganzes Schwimmbecken füllen könnte, aber womöglich fließt es eben nicht immer im rechten Moment.

Zu wenig ist blöd und kostet unter Umständen das Leben – zu viel ist aber auch nicht der Hit und vermasselt so ziemlich jeden Kuss. Und auch dazu hat das Buch des schrecklichen Wissens noch eine herrlich widerliche Information zu liefern. Der erste Lippenbalsam nämlich soll unter anderem aus Ohrenschmalz bestanden haben, was allerdings dazu geführt hat, dass das Ganze kein Kassenschlager wurde, weil das Zeug gestunken hat wie Sau.

So, und jetzt ist die Frage: „Wenn man das nun schon alles – warum auch immer – erfahren hat, was stellt man an, mit diesem ‚Wissen’?“. Auf keinen Fall, aber auch auf gar keinen Fall geht man damit zu seinem ersten Date und konfrontiert sein Gegenüber damit. Überhaupt gibt es so einiges, worüber man im Stadium der Kontaktaufnahme nicht reden sollte.

Lob und Tadel zum Thema Ex-Partner stehen dabei ganz weit oben. Ich kenne keine Frau, die darauf abfährt, von ihm zu erfahren: „Meine letzte Freundin hatte einen so umwerfenden Duft, ich hab’ nie wieder jemanden getroffen, der so gut gerochen hat!“. Kaum ist dieser Satz raus, läuft die Check-Liste auch schon auf Hochtouren: der Kopf dreht sich zur Seite, mit der Absicht, die Nase in Richtung Achsel zu bewegen, was man mit einem vorgetäuschten Nasenkratzen an der Schulter versucht, zu kaschieren. Die Hände führt man – wie zum Entsetzen – zum Mund, um klammheimlich hineinzuhauchen und danach eventuell tatsächlich entsetzt zu sein, wenn sich rausstellt: es müffelt.

Es gibt aber sicher auch kaum Männer, die von ihr erfahren möchten: „Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann nochmal jemandem zu begegnen, mit dem ich so gut reden kann, wie mit meinem Ex-Freund!“. Da hilft auch nicht der Zusatz, dass der Ex-Freund, deshalb der Ex-Freund ist, weil er außer Reden eben nicht besonders viel drauf hatte und vielleicht das blanke Grauen in Sachen Sex war. Männer wissen, dass Frauen darauf stehen, sich gut mit ihrem Partner zu unterhalten und Männer wissen auch, dass den meisten ihrer Spezies eben genau das nicht gegeben ist.

Entgegen der landläufigen Meinung von Flirt-Experten, über’s Wetter zu reden helfe, wenn gar nichts mehr geht, bin ich gegen wettermäßiges Gelaber. Eine interessante Meldung aus den Nachrichten oder schlicht eine Anekdote aus der Kindheit, kann hingegen so Manches bewirken. Man erfährt, wie informiert oder eben uninformiert der Gesprächspartner ist und ob er auch bei einem Thema mitreden kann bzw. will, dass vielleicht sonst nicht auf seiner Tagesordnung steht. Oder: man bekommt einen Eindruck davon, was ihn bzw. sie als Kind geprägt hat und das möglicherweise etwas ist, was man selbst genauso erlebt und empfunden hat.

Und wenn man so jemandem begegnet, dann ist das unter Umständen auch derjenige, dem man irgendwann all das anvertrauen kann, was man unbedingt loswerden will – zum Beispiel auch, wenn die Haare immer dünner werden. Denn wenn echte Liebe mit im Spiel ist, gilt die Weisheit: „Die Falten kommen, die Haare gehen, aber ich werd’ immer zu dir stehen!“.