„Er muss sie doch irgendwo kennengelernt haben. Er ist doch nicht mit dem Arm um sie herum geboren worden.“

Der Glückwunschkarten-Sprücheentwickler Larry Hubbard und sein Freund Warren leben in New York, sind beide Single, sehen überall um sich herum nur glückliche Paare und fragen sich, weshalb ausgerechnet sie allein durchs Leben gehen. Wobei man dazu sagen muss: Die Frage nach dem Warum ist beim frisch verlassenen Larry noch recht deutlich ausgeprägt. Warren hingegen kann man sicher bereits als Singleprofi mit gewisser Frustrationserfahrung bezeichnen. Vor lauter Einsamkeit spricht er mit den Farnen in seiner Wohnung, veranstaltet Partys, bei denen die Gäste aus Pappfiguren berühmter Hollywood-Stars bestehen und Mittagschläfchen lehnt er inzwischen ab, weil er es hasst, mehr als einmal am Tag wach zu werden und sich dabei sein frustiges Dasein zu vergegenwärtigen.

In der 80er-Jahre-Komödie „Ein Single kommt selten allein“ geht es um das, was in den USA in den 70ern und hierzulande rund zehn Jahre später in der Gesellschaft Einzug hielt: das Single-Dasein als neue Lebensform. Begriffe wie ‚alte Jungfer’ oder ‚Junggeselle’ haben ausgedient – jetzt ist der Single am Start. Sich selbst zu verwirklichen, sein Leben zu leben und sich dabei jenseits des bis dahin tradierten Familienbildes zu befinden, wird nicht länger als Versagen gewertet. Was ursprünglich als Unvermögen galt – nämlich, jemanden so für sich dermaßen zu begeistern, dass dieser Willens war, sein Leben mit einem teilen – wird nun umgedeutet in einen Zugewinn. In die Aussicht auf ein Leben in Freiheit und Autonomie.

Zwei Dinge, die – wenn sie freiwillig gewählt wurden – das Single-Dasein durchaus auch zur Qual werden lassen können, wie dieser Film beweist.

Und dass für manch Einen diese Qual mitunter aus purer Schusseligkeit heraus resultiert, zeigt Larry anhand einer Telefonnummer. Die hat ihm Iris gegeben – seine Traumfrau, die er nach etlichem erfolglosem Herumstochern im Beziehungsmarkt, endlich gefunden hat. Obwohl er Iris mehrfach trifft und sie ihm ihre Nummer immer wieder von Neuem zusteckt, schafft er es, diese immer und immer wieder zu verlieren. In seiner Verzweiflung klettert er schließlich auf das Dach eines Hochhauses, um dort den Namen von Iris durch die gesamte Stadt zu brüllen und seine Angebetete auf diese Weise womöglich doch noch wiederzufinden. Dass sich dabei um ihn herum auf den benachbarten Dächern ebenfalls Männer befinden, die Namen wie ‚Cyntia’, ‚Hellen’ oder ‚Barbara’ in die New Yorker Luft hinausschreien, ist an Komik kaum zu übertreffen.

Aber neben diesen Momenten des hemmungslosen Slapsticks, hat der Film auch Augenblicke, die die traurige Wahrheit hinter mancher Singleexistenz offenbaren. Iris nämlich, die von Larry so Begehrte, war zwar schon x-mal verheiratet, doch immer nur aus einem Grund: weil sie Angst hat vor der wahren Liebe. Dass Larry der Richtige für sie wäre, zeigt sich ihr in vielen Situationen. Als sie sich beispielsweise beim Essen versehentlich Suppe auf ihren Rock schüttet, tut es ihr Larry mit einer Tasse heißen Kaffees und den Worten „Ich will jeden Schmerz mit Dir teilen!“ gleich. Aber Iris hat soviel Angst davor, von Larry geliebt und dann womöglich irgendwann wieder verlassen zu werden, dass sie sich lieber wieder in eine neue Ehe stürzt. Larry bringt das Ganze mit den Worten auf den Punkt: „Sie liebt Jack! Sie liebt mich! Deshalb heiratet sie ihn!“.

Die Erkenntnis, dass viele aus Angst vor Verletzung allein bleiben oder sich gar sehenden Auges immer wieder für den falschen Partner entscheiden, ist erschreckend. Kaum auszudenken, wie viel glücklichere Menschen mehr man wohl auf der Straße sehen könnte, gäbe es da nicht das, was sich Angstgedächtnis nennt. Es ist unabhängig vom sogenannten expliziten Gedächtnis und kann unbewußt wirksam werden, wenn wir Situationen erleben, die wir mit einer schlechten Erfahrung in Verbindung bringen. Dieses Angstgedächtnis kann man mittels bestimmter Hilfsmittel – wie beispielsweise einer Therapie – versuchen auszuschalten oder aber man lernt, mit seiner Angst umzugehen.

Das klingt leicht dahin gesagt, aber scheinbar ist es auch möglich. Denn wie sonst ließe sich erklären, dass Larry und Iris nach alledem am Ende doch noch irgendwann zusammenfinden und sogar Single-Dauerbrenner Warren glücklich in den Hafen der Beziehung schippert. In jedem Fall aber ist die Botschaft, die hinter diesem Film steckt jene, die schon Dietrich Bonhoeffer – evangelischer Theologe und Widerstandskämpfer im Dritten Reich – mal in den Worten ausdrückte: „Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen“.