Ein Arm, der hilflos hinter dem Rücken in der Luft herumrührt. Ein Po, der zögernd über einer Sitzfläche kreist. Ein Blick, der sagt:„Merkwürdig! Kommt denn da heute so gar keiner mehr?“.

Es gab einmal eine Spezies, die war auf der Welt, um den Damen – mochten sie hübsch oder auch hässlich sein – in ihre Jacken und Mäntel zu helfen. Um ihnen zu Beginn des Abendessens den Stuhl behutsam unter die vier Buchstaben zu schieben – und: nach Erreichen der gewünschten Parkposition, dem Auto zu entsteigen, eiligst um den Wagen herumzueilen und die Beifahrertür für die weibliche Begleitung zu öffnen.

Heutzutage kugelt sich Frau womöglich noch eher die Schulter aus, als dass Mann ihr bekleidungstechnisch zu Diensten stünde. Hinter der Aktion, einer Dame den Stuhl zurechtzurücken, schwanken Männer von heute wahrscheinlich zwischen der Vermutung, das Ganze habe entweder mit etwas Perversem oder aber mindestens mit etwas Unanständigem zu tun. Und welche Frau sich darauf verlässt, dass ihr galant aus dem Auto geholfen wird, der droht mitunter der einsame Hungertod im eiskalten Wagen, während er sich im kuschlig warmen Restaurant quer durch die Speisekarte schmaust und im Zuge dessen wahrscheinlich auch noch gleich ein bisschen mit der Bedienung flirtet.

Wie oft ich bereits in meinem Leben nach einem Mann ein Gebäude betreten wollte und vom Schwung der von ihm achtlos zugeworfenen Eingangstür (besonders nachhaltigen Eindruck verschaffen einem hierbei übrigens Drehtüren) fast schon ein Schleudertrauma erlitten hab‘, kann ich gar nicht mehr zählen. Wenn Frau ihren (für das verlängerte Wochenende) mit dem Allernötigsten bestückten Dreißig-Kilo-Koffer – unter kläglichsten Lautäußerungen der Anstrengung – minutenlang vergeblich versucht, auf die Gepäckablage im Zug zu hieven, und Mann dabei nicht nur nichts tut, sondern eventuell auch noch augenzwinkernd mit dem Franklin Roosevelt-Zitat aufwartet: „Bitte nicht um eine leichte Bürde – bitte um einen starken Rücken!“ – tja, was einen Mann in einem solchen Moment ‚reitet‘ … ich hab‘ keine Ahnung.

In jedem zweiten Hollywood-Streifen, in dem der kühle Abendwind dem vermeintlich schwachen, aber zugegeben meist frierenden Geschlecht eine Gänsehaut verpasst, gibt Männe wie selbstverständlich (und sogar unter noch größerer Aufopferungsbereitschaft als der heilige Sankt Martin persönlich*) seine Jacke her, um damit die zarten Schultern der Zitternden zu bedecken. Selbst mit nicht minder zarten Schultern und einem enormen Fröstelpotential ausgestattet, nehme ich zu Verabredungen mittlerweile fast den halben Kleiderschrank mit, denn der Mann von heute scheint die Frostbeule pur zu sein und denkt nicht im Mindesten daran, für mich zu bibbern.

Bei Regen auf einem Gehsteig die Außenseite zu wählen, um mich so vor Wasserspritzern vorbeifahrender Autos zu schützen; mich gar über eine riesige Pfütze zu tragen, um mir nasse Füße zu ersparen (der Mann, der dabei an die teuren Schuhe denkt, muss wahrscheinlich erst noch geboren werden); oder: einfach um meiner selbst willen auf Händen getragen zu werden – um solche und ähnliche Ideen hervorzubringen, scheinen moderne Männerhirne kaum noch in der Lage.

Ob der Grund dafür in der Emanzipation zu suchen ist und die Frauen letztendlich selbst daran schuld sind, dass der Gentleman vor die Hunde ging – wer weiß!

Aber es gibt ja noch Hoffnung, denn ganz und gar von der Bildfläche verschwunden ist diese Spezies noch nicht und so ist beispielsweise die Tierwelt mitunter ein Hort ausgesprochenen Kavaliergebahrens. Die Triebfeder eines solchen ist in den meisten Fällen zwar – wen wundert es – ausgesprochen tierischer Natur und hat oft nur das eine im Sinn, dennoch: zum Zwecke der Paarung zuvor wenigstens reich beschenkt zu werden, wie es zum Beispiel das Eisvogel-Männchen zu tun pflegt, das hat doch was. Nicht nur, dass der Eisvogelmann seiner Auserwählten einen frisch gefangenen Fisch serviert, beim Überreichen verbeugt er sich auch noch achtungsvoll vor seiner Herzdame. Eher steinig wird’s dagegen in Sexangelegenheiten bei Pinguinen. Wenn er ihr nämlich seine Aufwartung macht, dann mit einem kleinen Stein. Die sind an den meisten Orten, an denen Pinguine zu Hause sind nicht nur äußerst selten, sie dienen zudem auch noch als Nistmaterial (an dieser Stelle sei den humanoiden Herren der Schöpfung allerdings ans Herz gelegt: bitte jetzt nicht gleich ein nützliches Küchenutensil zum nächsten Date mitbringen!).

Das vielleicht mit Abstand wohl romantischste Paarungs-Geschenk allerdings erhalten flügellose und demzufolge flugunfähige Rollwespen-Weibchen. Die männlichen Tiere nämlich tragen in einem Freiflug ihre Damen von Blüte zu Blüte und lassen sie so köstlichen Nektar kosten.

Zwar muss es jetzt nicht gleich unbedingt der Flug mit dem Heli zum Frühstück nach Paris sein – ein bisschen was jedoch kann sich der Mensch vom Tierreich hin und wieder durchaus abschauen und jenseits aller Paarungsabsichten davon lernen. Und das gilt auch durchaus für Frauen! Hüben wie drüben nämlich gilt: Obacht zum Beispiel bei übermäßig häufigen und üppigen Blumengeschenken! Ob bei einer bestimmten australischen Singvogelart oder bei Klaus, Norbert und Co – meistens steckt da nämlich was in Sachen Untreue dahinter!

Der gab schließlich ‚nur‘ die Hälfte seines Umhangs her.